• Der Dividendenjäger

#1 Meine Lehren.....

Wie ich bereits in meinem Depotupdate 4.19 erwähnt habe, wollte ich einen separaten Blogbeitrag schreiben, den ich "Meine Lehren" nennen möchte.

Warum ich dazu komme ist ganz einfach. Da kein Investor - egal ob alter Hase oder junger Vollblutkapitalist - gerne darüber spricht, wenn er mit seinen Investitionen daneben greift, will ich damit beginnen meine Fehltritte zu dokumentieren.

Immer wieder sehe ich, dass in den Sozialen Medien oder auf dubiosen Internetseiten nur von den positiven Börsenerfolgen berichtet wird. Gewinne hier und Gewinne dort. Doch nirgends ist zu lesen, was sich als reinen Flop herausstellte und wie er zustande gekommen ist.

Meine Fehler und was ich bis jetzt daraus gelernt habe, fasse ich hier einmal zusammen.


Sommer 2015



Im Sommer 2015 war mein Start ins Börsenleben mit dem festen Entschluss, meine hart verdienten Brötchen am Kapitalmarkt weiter zu vermehren. Ohne jegliches Wissen habe ich nach der Depoteröffnung bei Flatex meine ersten Aktien geordert. Natürlich lag hier mein erster Fehler! Was soll ich kaufen? Zack, das Internet gestartet und gleich mal auf einer Finanzpornografieseite gelandet und gelesen: "Die Auden AG, hier locken bis zu 200 % Kursgewinne."

Und schon war meine erste Aktie gekauft. Keine Recherchen gemacht, kein Unternehmensprofil gelesen, ja nicht einmal gegoogelt, was das Unternehmen so betreibt. Muss ja anscheinend gut sein, wenn ein Unternehmen in einem Jahr um 600 % gestiegen ist, dachte ich mir. So wurden hier 120 Stück zu je 4,50 € gekauft.

Und das war gleichzeitig auch der letzte Tag, wo die Auden AG zu diesem Preis zu haben war. Denn schon binnen 3 Tagen verabschiedete sich das Unternehmen und ich verkaufte zum Glück noch Anteile zu einem Preis von 2 €. Heute steht das Unternehmen bei 0,11 Cent!

Ich hatte mir nach dieser Mission eigentlich geschworen, nie wieder auf die Meinung irgendwelcher Seiten mit Kaufempfehlungen zu hören und blieb der Börse erstmal für Monate fern. Doch diese Lehre war noch nicht die letzte...


Herbst 2018



Im Herbst 2018 beging ich denselben Fehler erneut. Und dieses Mal ärgerte ich mich umso mehr. Da ich meine Strategie in den letzten zwei Jahren fest verankert gesehen und der Dividende meine Treue geschworen hatte, ließ ich mich wieder zum gleichen Fehler hinreisen. Auf der Suche nach einem schönen Dividendenwachstumswert im Internet ploppte erneut ein Fenster auf, das mir sagte: "Dieses BIO Start-up Unternehmen in Kanada startet jetzt richtig durch."

Ok, dachte ich mir und wollte es anders angehen als damals bei der Auden AG. Und so entschloss ich mich, alles herauszufinden, was es über den CEO und sein Familienunternehmen zu berichten gibt. Nachdem ich natürlich nur die guten Seiten und ihre Möglichkeiten herausgepickt hatte, entschloss ich mich einzusteigen. Denn schließlich hatte ich ja alle Informationen rausgesucht. Und der Zock begann...

Ich habe mir 2.000 Aktien eines Pennystocks für 0,30 Cent gekauft (Organic Garage) und auch hier war es genau dasselbe Bild. Es war der letzte Tag, als die Anteile für 30 Cent gehandelt wurden und der Absturz begann. Gnadenlose minus 50 % standen hier nach einer Woche zu Buche. Doch dieses Mal dachte ich mir: "Die hältst Du jetzt zwei Jahre damit sie Dich daran erinnern, wie blöd man sein muss um so einen Fehler zweimal zu begehen". Im letzten Monat habe ich meine kompletten Anteile trotzdem verkauft, und ich bin froh darüber.


Was ist mein Fazit aus dem Ganzen?


Ich brauchte eine Investmentregel, um mein Finanzverhalten zu optimieren. Wenn Ameisen mit einer Hand voll Regeln auskommen, um eine unendlich komplexe Überlebensstrategie zu entwickeln, warum dann nicht auch ein Investor?

Und so lautet meine Regel für das Investieren und für mein ganzes Leben...


Wenn mir jemand etwas verkaufen will, dann kaufe ich es nicht!


Und das beziehe ich auf alles. Denn ich tue mich einfach unglaublich schwer, rational zu entscheiden und auch zu bleiben, sobald ich ein Angebot erhalte, was ich mir selbst nicht gesucht oder gewünscht habe. So kamen immer wieder Dinge in mein Leben und in mein Depot, was ich eigentlich nie gebrauchte hätte. Es gingen schon hohe Geldbeträge in neue Handyverträge rein, nur weil die Telekom sich bei mir meldete und mir ein scheinbar unschlagbares Angebot machte. Oder der Versicherungsvertreter, der nach einem Abschluss freudig mein Haus verlassen hatte. Das Auto was mir schmackhaft gemacht wurde und ein Vermögen kostete. Die unzähligen Konsumentscheidungen, aus denen ich heute keinen Nutzen mehr ziehen kann und so weiter.

Wenn ich heutzutage Anrufe bekomme mit irgendwelchen Angeboten, sage ich so höflich wie es geht: NEIN!

Und Werbung kommt mir auch nicht mehr ins Haus. Denn hier liegen diese kleinen Fallen, wo ich mich beim Durchblättern der Prospekte immer noch erwische zu denken: "Das wäre doch auch nett". Aber ich will es nicht von Heute auf Morgen!


Und so sehe ich es auch, wenn es um meine Finanzen geht. Ich entscheide, was ich kaufe und nicht die Finanzportale, Broker, Versicherungen und Banken. Denn diese leben von dem Verkauf positiver Nachrichten und Verlierer ist der, der sie kauft. Denn ist der sogenannte "geheime Tipp" einmal öffentlich, dann sind die größeren Player schon lange wieder draußen und zählen die Kasse richtig durch. Deshalb wird ab diesem Jahr nichts mehr gekauft, wo nur ein Anderer davon profitiert, und sei der Deal noch so gut für mich.


Vielleicht verpasse ich kurzfristig etwas. Aber über die Lebenszeit gesehen habe ich keine Zweifel, dass ich mehr profitiere, wenn ich von Verkäufern Produkte oder Tipps erhalte, die mir nur etwas aus Eigennutz verkaufen wollen.



Nun investiere und lebe ich so, dass, wenn ich mein Geld in ein Unternehmen investiere, ich dieses kenne, verstehe und auch richtig Bock darauf habe. Denn das Leben mit eigenverantwortlichen Entscheidungen ist doch einfach viel schöner, als wenn man immer nur auf Andere hört!




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